Der erste Block meines Istanbul-Stipendiums neigt sich seinem Ende zu. Am Donnerstag, also übermorgen, reise ich nach insgesamt drei Monaten, in welchen ich immer auch wieder kurz zuhause war, zurück. Jetzt im Moment steht die Zeit stark unter dem Eindruck des Attentats am vergangenen Samstag hier in unmittelbarer Nähe zu meiner Residenz. Ich selber war gar nicht zugegen; die bedrückende und bedrückte Atmosphäre hier im Viertel aber – die Kneipen und Cafès sind leer, keine Musik, wenig Menschen unterwegs – zeigt Wirkung. Und zwei meiner Mitstipendiaten haben vorerst die Segel gestrichen. Jemand aus persönlichen Gründen und ein Zweiter weil er alles genau mit bekommen hat. Das ist vor allem und zuerst für die beiden sehr schade, brechen sie doch gerade hier begonnene Arbeiten ab. Und es ist ein weiterer kleiner Sieg der Terroristen. Jeder der hier die Segel streicht und Istanbul verlässt, ist ein Erfolg im Kampf der Kräfte, die einen Gottesstaat errichten wollen.

Für mich stellt sich die Frage anders; ich bin nicht traumatisiert (ich hatte das Glück, nicht vor Ort gewesen zu sein) und meine weitere Arbeit (im zweiten Block im Herbst) hier, lässt mich zumindest zurzeit nicht daran zweifeln, weiter zu machen. Ich plane insgesamt 4 kleinere Projekte, in denen ich mit unterschiedlichen Partnern und Künstlern hier vor Ort zusammenarbeite. Für diese stellt sich vielmehr als der Terror die alltägliche Unterdrückung der freien Meinungsäußerung und die perfiden Maßnahmen gegen eine Kunst, die sich frei entfalten möchte als das zentrale Problem dar. Die Frage für viele ist hier: Mache ich weiter oder gehe ich ins Exil. Und da sind Kontakte nach außen so wie alle Möglichkeiten, vor Ort arbeiten zu können immens wichtig. Ich habe in Gesprächen in den letzten Tagen mit den Theaterleuten, immer wieder versichert bekommen, dass sie hoffen, dass wir die angedachten Projekte im Herbst machen können.