Istanbul ist in große Stadtteile und die wiederum in Viertel aufgeteilt. Beyoğlu ist der modernste und vielfältigste Stadtteil mit der Prachtstrasse Istiklal und ihren großen Jugendstilpalästen von der viele kleine Seitenstrassen in die Viertel abgehen, die sich in ihrer Atmosphäre, den Läden, Bars und Cafés deutlich voneinander unterscheiden. Ich wohne im Viertel Galatasaray

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mit Übergang nach Çukurcuma. Hier eine Aufnahme der Çukurcuma Caddesi, in der sich das Museum der Unschuld von Orhan Pamuk befindet. In der Ferne sieht man den Galata Turm.

In Galatasaray bekommst du in allen Bars Alkohol und das Leben ist sehr offen und frei.  Çukurcuma ist schon deutlich religiöser geprägt und daran schliesst mit Pothane ein streng religiöses Viertel an.  Dort gibt es nirgendwo ein Bier zu kaufen und es wird von den dort lebenden Bürgern auch genauestens darauf geachtet.

 

 

IMG_1344BAP//Istanbul (Berlin Art Projects, die in vielen Metropolen der Welt Galerien unterhalten)  hat in Pothane versucht, eine Galerie zu führen und dieses nach 2 Jahren wieder eingestellt. Die Bevölkerung war mit der Freizügigkeit einzelner Bilder nicht einverstanden und hat dies den Galeriebetreibern auch unmissverständlich klar gemacht.

 

IMG_1343Die Hand mit den vier Fingern und dem eingeklappten Daumen – das Symbol heisst Rabia oder auch R4bia – sieht man in Pothane (hier an der Tür eines Friseurs)  sehr oft. Die Rabia hat als Symbol für den Protest gegen den Militärputsch in Ägypten und die Tötung vieler Anhänger der Muslimbruderschaft Bedeutung erlangt und wird vermehrt auch außerhalb Ägyptens benutzt.

Die Frauenrechtlerin Serap Ciceli hat das ganz gut beschrieben:

Seit Wochen sieht man das Symbol einer Hand, die 4 Finger auf gelben Grund hervorstreckt: Die R4bia-Kampagne. Ein Sinnbild für die Solidarisierung mit Mursi und eine Kampfansage an das Militär in Ägypten. Das Landesamt für Verfassungsschutz (BaWü) ordnet die Anhänger der R4bia-Bewegung der Muslimbruderschaft zu.

„Sie arbeiten mit Verschwörungsbildern und wir schätzen sie als antizionistisch ein“, heißt es dort. Besonders laut die Werbetrommel rühren die islamistische Bewegung Milli Görüs, die vom Verfassungsschutz als antidemokratisch eingestuft wird, sowie die Union Europäisch-Türkischer Demokraten (UETD). Sie gilt als Lobby-Organisation der türkischen Regierungspartei AKP.

Auf der offiziellen Homepage der R4bia-Bewegung werden ihre Ziele aufgelistet. Unter anderem seien das: „der Kollaps der westlichen Werte“, die Vereinigung aller islamischen Nationen, das „Ende der Zionisten“, also des Staates Israel, und gleich mehrfach das „Märtyrertum“.

Am vergangenen Samstag sind über 4.000 Menschen dem Ruf der R4bia-Kampagne gefolgt und haben in Stuttgart gegen die Militärregierung in Ägypten protestiert. Am Rande der Demo wurden muslimische Studenten, die sich gegen die R4bia-Kampagne aussprachen, von den Ordnern angegriffen.

Erdogan ist ein Anhänger der R4bia-Bewegung und hat auf seinem Schreibtisch eine Skulptur der vierfingrigen Hand stehen.