Istanbul

Ein Blog von Frank Heuel

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Monat: Februar 2016

Şiir

Şiir heisst übersetzt Gedicht und dieses kleine Mädchen liest gerade ein solches. Das Sprühbild ist von einer Istanbuler Künstlerin, die damit auf die Aussage des türkischen Ministerpräsidenten: „Gedichte machen dumm!“ reagiert.

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Otopark heisst übersetzt ins Deutsche Autoparkplatz und ist in der Innenstadt Istanbuls und besonders in den alten Vierteln von Beyoğlu ein heissbegehrter und umkämpfter Ort. Ein solcher Otopark befindet sich direkt neben dem Apartmenthaus, in dem ich hier lebe und so kann ich wunderbar beobachten und hier berichten, wie ein Otopark funktioniert. Oft sind es unbefestigte mit Schutt und Lehm aufgefüllte Baulücken, „meiner“ ist allerdings asphaltiert (ein Luxus-Otopark), die solange als Parkplatz genutzt werden, bis die Lücke mit einem Neubau geschlossen wird. Und ich vermute, dass die Betreibung eines Otoparks ein durchaus lukratives Geschäft ist. Du siehst eine Handvoll Männer, die sich eine kleine Bude, einen kleinen Verschlag auf dem Platz errichtet haben und im Schichtwechsel rundum die Uhr den Platz bewachen und organisieren. Bei Ankunft eines Parkplatzsuchenden Wagens wird bei heruntergelassener Scheibe kurz verhandelt, dann übergibt der Fahrer (meistens sind es Männer) Auto und Schlüssel an den Otopark-Mann, der wiederum den Wagen eng an eng wie auf einer Fähre auf dem Platz abstellt. In der Hütte gibt es ein großes Schlüsselbrett, an dem alle Schlüssel der geparkten Wagen zu hängen kommen; und zwar so wie die Fahrzeuge stehen auf einem Lageplan angeordnet. Wenn nun jemand den Otopark verlassen will, muss in der Regel etwas rangiert werden. Manchmal und durchaus auch schon mal mitten in der Nacht, kommt es zu Unstimmigkeiten zwischen den Otopark-Männern und den Autobesitzern. Ich nehme an, dass es  hauptsächlich um die zu zahlende Parkgebühr geht oder darum, dass jemand seinen Wagen früher abholt als angekündigt und somit den ausgetüftelten Stellplan der Betreiber  aus den Angeln hebt. In diesen lauthals ausgetragenen Disput mischt sich dann gerne auch der Otopark-Hund mit ein, der ansonsten wie alle Istanbuler Hunde ein schläfriges Dasein fristet. Eine solch offen ausgetragene Meinungsverschiedenheit kann auch schon mal Gefahr laufen, handgreiflich zu werden, wobei sich hier besonders einer der Männer hervortut, der dann allerdings von seinen besonneren Kollegen in der Regel  beruhigt  wird.

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Cafe Cantine

CafeCantine

Der Blick aus meinem Fenster runter auf das Cafe Cantine. Das ist der Ort, von dem ich mittels Bob Dylan, Cat Stevens und gestern Simon and Garfunkel gar gekocht werde!Übrigens ist das bis auf die playlist dort ein tolles Cafe. Das Bier, das du dort bekommst, heisst EFES und ist frisch gezapft echt lecker. Hakan, ein Kurde, bedient dort und mit ihm lässt sich wunderbar reden. Die meisten Kurden, die ich bisher kennen gelernt haben, sind Anhänger der liberalen Kurdenpartei HDP und bezeichnen sich allesamt als Sozialisten. Und so auch Hakan, der sehr unter der dramatischen Verschlimmerung im Südosten der Türkei leidet.

Back

Nach der kurzen intensiven Begegnung mit der staatlichen Gewalt letzte Woche und ein paar Tagen im beschaulichen Rheinland bin ich seit Montag zurück in Istanbul. Bei 1 Grad plus und Schneetreiben in Köln gestartet und bei 20 Grad im Frühling hier gelandet, habe ich den Winter 15/16 nun für mich abgeschlossen. Ich habe einen Tag gebraucht, um mich hier in dieser Stadt der großen Gegensätze wieder einzufinden.

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Gestern habe ich eine Vorstellung im sermola performans (dem einzigen kurdischen Theater Istanbuls (s.u.)) gesehen. Das Stück „In the toilet“ , basierend auf realen Ereignissen, erzählt von einem jungen Mann, der den freien Lebenswandel seiner Schwester nicht erträgt and gleichzeitig seine eigene Sexualität ständig unterdrückt und sie nur zwanghaft erleben kann. Am Ende sind beide tot. Ein heftiger Stoff, von einem Schauspieler als Solo sehr beeindruckend gespielt und hart an der Realität.

Das Theater liegt nahe an der Tarlabaşi Bulvarı, eine große 6-spurige Strasse, die das Viertel rechts der Istiklal Caddesi von dem Stadtteil Tarlabaşi trennt. Und hier begegnet einem dann die Realität ähnlich schonungslos. Entlang des Tarlabaşi Bulvarı findet man abends keine Touristen mehr und das „bunte“ Treiben auf der Istiklal ist schlagartig dunkel und Männer dominiert. Die wenigen Prostituierten dort sind fast ausschließlich Transvestiten, allesamt illegal.

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Tarlabaşi selbst ist ein Viertel, welches mit großem Aufwand seit Jahren gentrifiziert wird. In den noch nicht renovierten und abgerissenen Straßen leben noch all diejenigen, die in Istanbul sonst niemand haben will: Afrikanische und asiatische Flüchtlinge, Transsexuelle und kurdische Underdogs. Die Vertreibung dieser Gruppen ist in vollem Gange, das Abrissprojekt  nennt man Tarlabaşi yenileniyor („Tarlabaşi wird erneuert“).  Für dieses Projekt wird auf großen Transparenten, hinter denen sich all das abspielt, geworben.

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Dazu folgende Meldung aus genau dem Stadtteil.

 

no photo today

Die Strassenverkäufer wechseln täglich ihr Programm; bei dem fiesen Regenwetter preisen sie ihre Billig-Regenschirme (die für einen Abend durchaus ihren Zweck erfüllen), dann gibt es Handschuhe bei dem sonnig-kalten Wetter und heute waren Atemmasken gegen Tränengas angesagt. Mich hat es voll erwischt und dann bin ich festgenommen worden, meine Fotos und Videos vom heutigen Tag wurden vom Handy gelöscht und mein Pass abfotografiert. Nach ca einer halben Stunde durfte ich wieder los. Keine Fotos heute, Husten und Tränen – voll Stress!

Ich kann nicht sagen, worum es ging!

Istanbul modern

Ich war im Istanbul Modern – tolles Gebäude mit einer irren Lage direkt am Bosporus/Goldenen Horn. Dort gibt es aktuell eine Ausstellung mit dem Titel Habitat (Wohnräume). Und hier fand ich an der Wand hängend wieder,

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was mir draussen auf der Strasse ständig begegnet.

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ein erster Frühlingsmorgen

Tanker im Morgendunst auf dem Bosporus

SchiffImDunst

Die Synagoge Istanbuls

Synagoge

Galata Turm

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Das Haus Nosferatus

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Stillstand

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Polis Fog

 

Istiklal_Rauch

 

 

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